Schulöffnung und Schulleben

Aller guten Dinge sind drei!

FAGler bleiben hartnäckig und erhalten Bilder aus der Stratosphäre

Im Frühjahr 2019 hatten Studienrätin Carina Schauermann und Stefan Reimann vom Verein der Wächtersbacher Amateurfunker bereits Kontakt aufgenommen und beschlossen, einen Wetterballon in die Stratosphäre zu schicken. Gemeinsam mit freiwilligen Schülern der Jahrgangsstufen 9 und 10 wurden ab Mai konkrete Pläne erstellt und umgesetzt. Styrodur wurde mithilfe eines Hitzedrahtes geschnitten, um eine Kiste für die Nutzlast zu bauen, die am Wetterballon befestigt und die Geräte zur Datenerfassung und -übertragung beinhalten sollte. Hierbei mussten nicht nur die Maße beachtet werden, sondern auch die einwirkende Kälte von bis zu -60°C in der Stratosphäre sowie die notwendigen Bedingungen für die reibungslose Funktion der mitfliegenden Kamera, Akkus und sonstiger Hardware. Parallel dazu wurde die Technik zur Datenerfassung entwickelt. Sensoren, die später Daten wie unter anderem Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Beschleunigung messen sollten, wurden programmiert. Währenddessen wurden alle rechtlichen Angelegenheiten geklärt, d.h. Flugsicherung und Flugbehörde mussten informiert und Anträge eingereicht werden, eine Versicherung wurde abgeschlossen und zu guter Letzt wurden alle notwendigen physikalischen Berechnungen durchgeführt. Im Rahmen der Projektwoche wurde die Durchführung mit knapp 30 Schülerinnen und Schülern, die sich in das Projekt eingewählt hatten, besprochen und der Ablauf für den Start geplant sowie mit einem Testballon durchgeführt. Auch hierbei gab es viel zu beachten. Die Gasflasche musste gut gesichert sein, der Boden unterhalb des Ballons mit Malerflies bedeckt, der Ballon selbst durfte nur mit Stoffhandschuhen angefasst werden und neben einem guten Timing waren genaue Absprachen und gemeinsames Handeln unerlässlich. Am 14.06.2019 stieg der erste Ballon in die Luft. Aufgrund seiner geringen Nutzlast und des großen Fallschirms schaffte es dieser Ballon bis nach Herzberg am Harz und flog somit über 230km weit. Am 15.06.2019 stieg der nächste Wetterballon im Rahmen des Schulfestes in die Luft. Da es an diesem Tag sehr windig war, war die Erleichterung bei allen Beteiligten groß, als der Ballon sich in immer höhere Sphären bewegte und nicht aufgrund der wirkenden Kräfte durch den Wind bereits bei der Befüllung oder beim Aufstieg riss. Doch dann kam die plötzliche Ernüchterung: Die Live-Übertragung, die in der Schule an eine Leinwand projiziert wurde, zeigte kein Bild. Die Kamera der Nutzlast zeichnete nicht auf. Die Enttäuschung war entsprechend groß und das nicht nur bei den mitwirkenden Personen. Knapp 180km bis nach Wolfhagen legte dieser größere und mit mehr Technik ausgestattete Wetterballon zurück. Da nun jedoch nicht das gewünschte Ziel, die Bilder aus der Stratosphäre, erreicht wurde, beschloss man, sich damit nicht zufrieden zu geben. So setzten sich die Amateurfunker über die Sommerferien noch einmal daran, die Technik komplett auszuwerten und zu überarbeiten. Carina Schauermann führte erneut die physikalischen Berechnungen durch und reichte einen weiteren Antrag zur Genehmigung eines Wetterballonstarts ein. Schließlich fand der erneute Start eines dritten Wetterballons am 30. August 2019 statt. Dieses Mal flogen zwei Kameras mit und die Hoffnung, die ersehnten Bilder zu erhalten war groß. Bei einer Höhe von knapp 35km über der Erdoberfläche kam der Ballon zum Platzen. Aufgrund der Wetterlage und des Jetstreams, einem starken Luftstrom im oberen Bereich der Stratosphäre, flog der Ballon einige Kreise und landete nach ca. 3 Stunden in der Nähe des Kinzig-Stausees. Ein schöner Landeplatz könnte man meinen, wäre der Fallschirm samt Nutzlast nicht auf 25m Höhe in einem Baum hängen geblieben und musste entsprechend geborgen werden. Dieses Mal hatte sich die Mühe jedoch gelohnt: Beide Kameras haben den Flug aufgezeichnet und das Vorhaben ist somit geglückt! Hierbei geht ein besonderer Dank an den Wächtersbacher Verein der Amateurfunker für die Kooperation und ihren tatkräftigen Einsatz, an Hemü Werkzeuge in Linsengericht für ihr Entgegenkommen beim Kauf des Ballongases sowie an die Firma Höhn aus Udenhain, ohne deren großzügige Hilfe Fallschirm und Nutzlast wahrscheinlich noch immer in der Baumkrone festsäßen.

Wer nun neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, am Samstag, den 08.02.2020, im Rahmen des Schnuppertages von 9 Uhr bis 12:30 Uhr die Materialien sowie Filmausschnitte aus der Stratosphäre zu begutachten.